© Nils Starkmeth
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IchMachFilm – inzwischen wirklich.

Obwohl mein Vater als ehemaliger Kameramann einige analoge Kameras und alte Filme in seinem Keller hat, interessierte mich das Medium lange zeit eher weniger. Das sollte sich ändern, als ich eines warmen September Morgens mit Freunden einen Flohmarkt im Allgäu besuchte. Ich fand nach kurzer Zeit eine alte Polaroid SLR 680, die mir für 15€ angeboten wurde. Der Verkäufer war sich nicht sicher ob sie überhaupt noch Funktionieren würde und meinte, dass ich dann immerhin für 15€ eine nette Deko für meinen Schrank erstanden hätte. Dem stimmte ich zu und nahm das Angebot wahr.

Dieses Foto meiner Polaroid SLR 680 entstand nach dem Flohmarkt.

Zuhause angekommen erkundigte ich mich zunächst einmal, wo es noch Filme für meine neue Instant Kamera gibt. Bei Impossible Project wurde ich fündig. Schnell wurde mir klar, dass solch alte Filme nicht mehr unbedingt Preisgünstig sind: für eine Kassette die 8 Filme enthält, zahlt man 20€.

Diese Filmkassetten enthalten zudem die Batterie, mit der die Motorik und der Belichtungsmesser der Polaroid Kamera gesteuert wird. Um also meine neue Polaroid auf ihre Funktionstüchtigkeit zu testen, musste ich mir einen Film bestellen. Gesagt, getan. Nachdem ich den Film einlegte, spuckte die Kamera pflichtbewusst das Deckblatt der Filmkassette aus - und ich ließ sie vor Freude und Schreck beinahe fallen. Meine 15€ Kamera hatte mit dieser Erkenntnis soeben einen wert von knapp 400€ erlangt.

Nun begann der spannende Part: das Fotografieren. Es gestaltete sich zunächst schwierig, Motive zu finden, die in das Quadratische Format der Polaroid Filme passten. Hatte ich dann mal ein Motiv im Kopf und vor der Linse, stand ich ungewohnt lange davor, den Finger bereit am Abzug. Ich ging auf einmal komplett anders an die Sache des Foto Schießens heran, da mich jedes betätigen des Auslösers auf einmal Geld kostete und ein einmaliges Ergebnis verursachen würde.

Als ich schließlich meinen Vater mit Fragen über das Analoge fotografieren überhäufte, stellte dieser mir ein für mich neues Format vor: 35mm Film. Die Canon AE-1 Program war schnell besorgt und wurde zugleich mit abgelaufenen Filmen aus den 60ern meines Vaters beladen.

Die Canon AE-1 mit einem 90mm Rodenstock Imagon aus den 30ern mit einer Lochblende f 5,5 - 7,7

Als ich meinen ersten vollständig belichteten Film zum entwickeln brachte, war die Vorfreude riesig. Ich hatte nur eine ungefähre Ahnung, wie die Bilder aussehen könnten und als ein paar Tage verstrichen, hatte ich nicht einmal mehr im Kopf, welche Motive ich denn überhaupt fotografiert hatte. Als ich die Abzüge dann zum ersten Mal in der Hand hielt durchströmte mich eine völlig neue Euphorie. Der selbe Charme, den man empfindet, wenn man sich eine Schallplatte anhört: echte Filmkörnung, Filmfehler, Filmburn - einfach dieses wunderschöne unperfekte. Dass ich zum veröffentlichen im Internet die Negative digitalisieren musste, ist klar. Jedoch verzichtete ich auf nachträgliche Nachbearbeitung, da sich das für mich einfach nicht authentisch anfühlte.

Der nächste Schritt geschah dann mit dem selbst-Entwickeln. Ich lud meine Kamera mit einem Schwarz-Weiß Film, da diese sehr unkompliziert zum selber Entwickeln sind, und knipste eifrig drauf los. Als der Film vollständig belichtet war, spulte ich den Film zurück in die Rolle, um ihn aus der Kamera zu nehmen. Naja, zumindest dachte ich das. Als ich die Klappe der Kamera öffnete, blickte ich verdutzt auf den lichtempfindlichen ASA 400 Film, der nun völlig ruiniert wurde. Schnell schloss ich die Klappe wieder und machte mich dennoch ans entwickeln - einfach, um es einmal getan zu haben. Dabei kam von 36 Schüssen genau 1 brauchbares Bild heraus. Dieses aber gefällt mir so gut, dass es mir den Kaputten Film wert ist.

Nun mache ich ja neben Fotos auch gerne Videos. Da mich also der Analoge Charme gepackt hatte, begab ich mich auf die Suche nach einer Filmkamera und entschied mich für eine Super 8 Kamera von Bauer. Außerdem fand ich heraus, dass Kodachrome 40 von Kodak der wohl beste Super 8 Film sein sollte, mit seiner Farbtreue und angenehmen Körnung. Nach langer Recherche und einige Euro weniger hatte ich einen ganzen Schwung Kodachrome 40 Kassetten, die seit den 90ern von ihrem Vorbesitzer vorbildlich gekühlt worden waren. Man will schließlich nur das beste. Ich wollte testweise mal ein Musikvideo für mich selbst drehen, da ich ja auch ein bisschen Musik mache, und begab mich mit meiner neuen Begleitung in den Wald.

Ein wildes Kameramann in seinem natürlichem Lebensraum.

Nachdem ich also die vermutlich besten Musikvideo-Szenen die je gedreht wurden im Kasten hatte, machte ich mich auf die Suche nach einem Entwicklerstudio. Vielleicht hätte ich nach so einem Studio schauen sollen, bevor ich mir 10 gekühlte Kassetten für teures Geld angeschafft hatte, denn es stellte sich heraus dass es nur noch ein einziges Studio auf der Welt gibt, welches mir meinen Kodachrome 40 Film entwickeln und digitalisieren kann. Dieses Studio hat seinen Sitz in Kanada, kostet allein schon wegen den Versandkosten eine Menge und Entwickelt mir den Film auch nur in Schwarz-Weiss. Hat sich was, mit besonderer Farbtreue des Kodachromes.
Hätte ich mich zuvor erkundigt, hätte ich einige Filme entdeckt, deren Entwicklung für verhältnismäßig wenig Geld problemlos möglich gewesen wäre.
Seitdem schlummert also der belichtete Film in meinem Schrank, mit Szenen die für das wohl erfolgreichste Musikvideo der Gezeiten gesorgt hätten.

Doch es sollte noch nicht vorbei sein, mit der Analogen Entdeckungstour. Mein Vater gab mir zuletzt seine Mamiya C3, eine Rollfilmkamera von 1962, mit der er damals bei Dreharbeiten Setfotos schoss. Die 6cm x 6cm großen Negative, die bei dieser Kamera herauskommen, bieten eine unglaubliche Detailtreue und zogen mich sofort in den Bann. Auch das Fokussieren mit der für Rollfilmkameras typischen Mattscheibe sorgt für eine ganz andere Wahrnehmung des Motivs als bei Digitalen Kameras. Auch hier benutzte ich Filme die Ihr Verfallsdatum bereits lange überschritten hatten und machte mich wieder auf die Suche nach "Quadrophilen" Motiven. Die Filme zum Entwickeln gebracht, Vorfreude verspürt, Motive vergessen, das übliche Verfahren eben. Die Ergebnisse lassen mich heute noch jauchzen. Die Kamera sorgt für eine umwerfende Kombination aus Film Charme und qualitativem Anspruch. Hat man die Negative erst einmal mit einem Negativscanner digitalisiert, hat man Bilder die hochauflösender sind als alles, was heutige Digitalkameras liefern. Ich bin sehr verliebt in die Mamiya und ich werde noch ganz oft durch ihre Mattscheibe blicken.

Der Blick auf die Mattscheibe der Mamiya C3, während ein Kumpel für ein Portrait in einem Lost-Place posiert.

Abschließend kann ich sagen, dass die Analoge Fotografie inzwischen immense Einflüsse auf mich hat. Ich sehe in einem Foto wieder mehr Würde und kein Massenprodukt mehr. Ich überlege vor jedem Motiv länger, ob es sich Lohnt abzudrücken - auch mit einer Digitalkamera. Selbst in der Postproduktion meiner digitalen Videos und Fotos versuche ich seit einiger Zeit, den Analogen Charme nach zu empfinden, wie sicher manchen von euch aufgefallen ist. Meine Liebe zum Film wird immer stärker und ist dabei nicht mal ein, vom Trend geleitetes, Hipster gehabe: Filme richtig eingescannt bieten Qualitativ deutliche Vorteile gegenüber digitalen Bildsensoren.
Das weiß zum Beispiel auch Filmregisseur Quentin Tarantino, welcher für seinen neuesten Streifen "The Hateful Eight" mit einem teuren 72mm Film gedreht hat, an den keine Digitale Filmkamera heran reicht.

Wenn euch mein weiterer Analoger Werdegang interessiert, behaltet meine entsprechenden Alben auf Flickr, Facebook und natürlich hier im Auge.

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